Ich, der Weg und die Mohnblume

Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Ich habe ein paar gute Fragen, einige Umwege hinter mir und eine Schwäche für Gipfel, auf denen die Luft dünn wird.

Ich lebe im Chiemgau, laufe in den Bergen, so oft ich kann, und begleite Menschen, die schon lange unterwegs sind und an einem Punkt stehen, an dem es nicht mehr weitergeht wie bisher.

Warum ich diesen Weg gehe

Meine Reise begann nicht auf einem Meditationskissen. Sie begann an einem Besprechungstisch.Ich saß dort mit meinem Geschäftspartner, unserem Steuerberater und einem Wirtschaftsprüfer. Die Zahlen lagen vor mir. Schwarz auf weiß.Mir wurde kurz weiß vor Augen und mein Blickfeld verengte sich. Die Stimmen im Raum wurden zu einem fernen Gemurmel, und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Mit zittriger Stimme fragte ich: „Und jetzt?“ —  Aber ich sah nur in stumme und betroffene Gesichter.

Dann kam die Wut. Und mit ihr die Angst, alles zu verlieren, woran ich jahrelang geglaubt hatte. Meine Sicherheit. Meinen Status. Am Ende auch das Bild, das ich von mir hatte.Ich musste raus und verließ den Raum.

Es war nicht der einzige Moment dieser Art. Aber es war der erste, an dem mir klar wurde, was ich verloren hatte.

Der lange Weg nach innen

Also begann ich zu suchen. Ich saß bei Zenmeistern und horchte auf den Klang meiner linken Hand. Bei Schamanen im mexikanischen Urwald küsste mich ein Giftfrosch. Mit den Sufis drehte ich mich im Kreis, bis die Gedanken langsam verstummten.

Mein Weltbild stand mehr als einmal Kopf. Ich sammelte Erfahrungen, lernte immer mehr – und kam dem, wonach ich suchte, trotzdem nicht näher.

Irgendwann war ich zu müde zum Weiterlaufen. Ich blieb stehen. Und zum ersten Mal sah ich, was ich im Laufen immer übersehen hatte.

ROY T. BENNETT"Solange du nicht ins Ungewisse getreten bist, weißt du nicht, woraus du gemacht bist."

Was sich öffnet

Seitdem hat sich weniger verändert, was ich weiß, als der Ort, von dem aus ich schaue. Ich versuche nicht mehr, dem Leben vorzuschreiben, wie es sein soll. Und je weniger ich festhalten will, desto mehr Nähe entsteht — zu mir, zu anderen und zum Leben.Dazu gehörte auch meine eigene Verletzlichkeit. Lange habe ich Stärke mit Kontrolle, Leistung und Sicherheit gleichgesetzt.

Heute bedeutet sie für mich offen bleiben zu können, auch wenn ich nicht weiß, was als Nächstes kommt. Mich berühren zu lassen, ohne mich darin zu verlieren. Und dem, was auftaucht, nicht sofort ausweichen zu müssen.

Ich forsche weiter, aber ich laufe nicht mehr, um irgendwo anzukommen. Eine Frage ist für mich keine Aufgabe mehr, die gelöst werden muss. Ich bleibe bei ihr, bis sie sich öffnet.

Durchschaut habe ich das Leben deshalb nicht. Es gibt noch immer Tage mit einer Bauchlandung im Geröll. Sie ängstigen mich jedoch nicht mehr.

Wo Licht hindurchscheint

Das Geröll kenne ich aus den Bergen. Dort finde ich, was Worte selten sagen können: eine Weite und eine Stille, die auch in uns liegen. Auf dem Weg nach oben lässt sich nichts beschleunigen und nichts wegreden. Es gibt den Atem, den Schweiß und den nächsten Schritt. Und irgendwann bricht die Sonne durch die Wolken.

Mit der Kamera übe ich das Hinsehen. Ein Porträt ist für mich eine Begegnung. Für die Dauer eines Blicks entsteht eine Nähe, die selten Worte braucht.Ich suche in Gesichtern nicht das Perfekte, sondern das Licht, das durch die Risse scheint.

Bei mir war einer dieser Risse ein Besprechungstisch. Damals hätte ich es nicht Licht genannt. Heute sehe ich es so. Gerade dort, wo etwas aufbricht, scheint etwas hindurch.

Wer mich begleitet hat

Dieser Weg war nie ein Alleingang.Ich bin dankbar für alle, die mich auf ihm gesehen, begleitet und herausgefordert haben, besonders für...

Alexander Poraj

Zenmeister

Dankbar :: für seine analytische Denkweise und die unnachgiebige Art, die meinen Willen stärkte durchzuhalten und meine Liebe zu Zazen weckte.→ Benediktushof Holzkirchen

Hameed Ali Almaas

Gründer der Ridhwan Schule

Dankbar :: für seine Lehre und den Weg des → Diamond Approach. Für seine Hingabe und Leidenschaft die Wahrheit zu erforschen. Für das Teilen seines Wissens und seiner Weisheit, deren Worte immer einen direkten Zugang in mein Herz finden.→ The Ridhwan School

Diamond Approach

Lehrer der Gruppe DHE4

Dankbar :: für einen besonderen einfühlsamen und wertschätzenden Umgang und eine Arbeitsatmosphäre, in der ich mich sicher und gesehen gefühlt habe und so bleiben durfte wie ich bin.   → Diamond Approach Europe

Tarthang Tulku Rinpoche

Nyingma School of Tibetan Buddhism

Dankbar :: für die Auflösung von Zeit und das Erforschen von Raum. Für das zerreißen meiner ‚Realität‘ und der Möglichkeit die Dynamik der Existenz zu verstehen.→ Nyingma Institute

Ishi

Samma Karuna

Dankbar :: für ein Breathwork Training, dass mich weit über meine Grenzen und Vorstellungen hinausgeführt hat. Für eine Zeit der tiefsten Verzweiflung und des höchsten Glücks.   → Awakening & Healing

Kaifi Iraklis Kokologiannis

From Separation to Unity

Dankbar :: für das Erkennen meiner Selbstzweifel, für den Tod meiner Selbstzweifel und für das Erfahren von Wert.   → FSTU

Julia Ayita

Meine Frau und Liebe meines Lebens

Dankbar :: für ihr Lächeln, dass mir jeden Tag meines Lebens verschönt. Für ihre grenzenlose Liebe, die ich lernen darf anzunehmenden. Für den Spiegel, den sie mir vorhält und die zahlreichen Medicine Sessions, in denen sie wahre Wunder bewirkt. ♥   → Japura

Wenn wir uns begegnen

Ich wurde auf meinem Weg selbst begleitet. Deshalb sitze ich neben dir, nicht vor dir.Ich bringe Neugier mit, gute Fragen, Humor, eine Portion Demut und manchmal ein Schweigen, das länger dauert, als es sich gewohnt anfühlt.

Ich habe einen Blick für dich. Und ich bleibe gern bei den Fragen, die in dir brennen.

Dein erstes Gespräch vereinbaren
Ein dünnes, goldenes Blattsymbol mit zwei überlappenden Umrissen ist in der Mitte einer kreisförmigen Umrandung platziert, alles vor einem transparenten Hintergrund.
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Gedanken vom Weg